Hoisdorf
lebenswert, modern und ländlich

Geschichten

In dieser Rubrik ist geplant, interessante Geschichten
aus der Hoisdorfer Gegenwart und Vergangenheit zu
erzählen. 

Artikel von Frühjahr 2019
(z.T. überholt durch aktuelle Planungen) 

Artikel zum Neubau des Sportzentrums
von Marina Stoeckler

Die erste Geschichte:

Die Schneekatastrophe 1979 in Hoisdorf
Vielen Dank für Informationen und Fotos an: Volker Horl, Frau Griem, Frau Stolt, Heinzi Gerdau, Arne Westphal und Uta Knaack.

Sechs Wochen nach den ersten starken Schneefällen und Schneeverwehungen am Jahreswechsel 1978/1979 im Norden Schleswig- Holsteins traf es auch unsere Gemeinde mit aller Wucht: extrem starke Winde, Temperaturstürze, mehrtägiger starker Schneefall mit Schneeverwehungen. Innerhalb von Stunden waren Straßen und Hofzufahrten blockiert – Katastrophenalarm wurde flächendeckend ausgerufen – und das nicht nur in unserem Kreisgebiet. Fahrverbote wurden angeordnet, die Menschen in unserem Dorf mussten sich auf die neue Situation einstellen. Man musste mit Strom-und Telefonausfällen rechnen, kalten Heizungen und leeren Speisekammern. Im Gegensatz zu heute hatten wir aber noch einige Läden im Dorf – Hansohn, Maluche, Mary Denker um nur einige zu nennen. Die konnten den ersten Ansturm der Nachbarn auf die Lebensmittel abfangen. Aber das war ja nur der private Bereich, der organisiert werden musste. Das Team um Bürgermeister Volker Horl und Wehrführer Walter Stolt war schon frühzeitig von den Katastrophenmeldungen informiert worden und jetzt natürlich gefordert, die großen Themen zu meistern, wie Freimachen der Verkehrswege, der Hydranten, Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit, Einsatzmöglichkeiten der freiwilligen Feuerwehr etc. . Das ging dann tage- und nächtelang im Zweischichtrhythmus. Zwischendurch schlafen, essen, auch bei Maluche, dann wieder raus in das für das Schneeräumen einzig verfügbare Fahrzeug. Bis auch dieses Fahrzeug in einer Schneeverwehung im Achtern Diek stecken blieb und nicht mehr vor und zurück kam. Die guten Beziehungen des Amtes Siek und des Bürgermeisters zum Panzerbataillon in Rahlstedt brachten dann die Lösung: das Fahrzeug der Feuerwehr konnte mit Hilfe eines Bergepanzers wieder rausgezogen werden. Die Leistung unserer Wehren in diesen Tagen war wirklich großartig. In unserem Ortsteil Oetjendorf waren die Probleme nicht geringer. Nach Tagen konnte die Kreisstraße nach Oetjendorf von Hoisdorf aus zwar geräumt werden, doch innerhalb des Dorfes musste man mit der Situation selbst fertig werden. Hier hatte man natürlich auch die Power der Feuerwehr und eines alten MAN -Traktors zur Verfügung, der eingesetzt werden konnte. Von Todendorf her räumten Bergepanzer die Straße. Natürlich gab es in dieser Zeit auch Probleme mit der Versorgung der Landwirte. So versackte ein Milchtankfahrzeug in einer Schneewehe im Gölm. Die ganz großen schwierigen Situationen aber blieben zum Glück aus. Keine Verletzten, keine Stromausfälle, alle Telefone gingen und die Heizungen waren auch nicht ausgefallen. Man half sich gegenseitig aus, räumte gemeinsam in nachbarschaftlicher Hilfe die Grundstücke und trank gemeinsam auch manchen Grog. Übrigens: die Gaststätten wie Maluche oder Sievers Gasthof waren auch gut hintenrum über die Felder zu erreichen, denn die waren dank des heftigen Sturmes weniger stark mit Schnee bedeckt. Hier trafen sich dann auch gern die erschöpften Schneeräumer zum gemütlichen Plausch. Kinder bauten Iglus, sprangen vom ersten Stock in den weichen Schnee und die große Zahl der Schneemänner war zwischen den hohen Schneebergen nicht zu übersehen. In dieser Zeit gab es gute Beispiele für nachbarschaftliche Hilfe, und dank des tollen Einsatzes der freiwilligen Feuerwehr konnte man nach 5 Tagen wieder zu fast normalen Zuständen zurückkehren – wenn auch so manche Schneeberge sich noch bis in den April gehalten hatten.